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Ruhr-Universität Bochum - RUB

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Rassismus und Ethnizität bei Männern


1. Einleitung

Männer haben's schwer, nehmen's leicht
Außen hart und innen ganz weich
Werden als Kind schon auf Mann geeicht
Wann ist ein Mann ein Mann?

( Grönemeyer 1984)


Wann ist ein Mann ein Mann? Diese Frage stellte bereits Herbert Grönemeyer in dem 1984 erschienenen Song „Männer“. Wer nun aber glaubt eine befriedigende Antwort auf diese Frage in selbigem zu finden liegt sicherlich falsch.

Doch zeichnend für eine solche Annahme ist auch der wissenschaftliche Forschungsstand, der diesem Thema zugrunde liegt. So wurde das männliche Geschlecht als Teil der soziologischen Geschlechterforschung lange Zeit vernachlässigt. (vgl. Baur 2008: 7)

In der folgenden Ausarbeitung soll Männlichkeit im Diskurs um Migration thematisiert werden. Bezugnehmend auf zwei autobiografisch-narrative Interviews[1] soll die Konstruktion von Männlichkeit dargestellt werden. Die Interviews wurden mit George aus Ruanda und Mustafa aus der Türkei geführt.[2] Beide Männer sind aus einer individuellen Motivationslage nach Deutschland migriert um hier ein neues Leben anzufangen.

Beginnen werde ich die Ausarbeitung mit einer Einführung der Begriffe Ethnizität und Migration. Anschließend soll gezeigt werden, wie Männlichkeit in diesem Kontext konstruiert und erlebt wird. In einem abschließenden Resümee werde ich meine Ergebnisse rekapitulieren und ein Fazit ziehen.




2. Ethnizität

Frederik Barth zufolge ist Ethnizität […] nicht schon immer gegeben, sie wird vielmehr erst in sozialen Interaktionen erzeugt, in denen durch konstruierte Selbst- und Fremdbilder kategoriale Abgrenzungen zwischen verschiedenen Gruppen von Menschen hergestellt werden. Diese Grenzziehungen aber sind wechselhaft, dem gesellschaftlichen Wandel unterworfen.(Neckel 1997: 265)

Eine ähnliche Definition von Ethnizität gibt auch Martina Weber. Selbst- und Fremdethnisierungen bedingen sich bei ihm wechselseitig, indem sich ethnische Gruppen über ihre kulturellen und historischen Eigenheiten in Abgrenzung zu anderen definieren (vgl.

Weber 2007: 308). Ethnizität scheint also vor allen Dingen kulturell konstruiert zu sein. Interessant dabei ist, dass ‚das Eigene‛ dabei häufig nur in Bezugnahme auf ‚das Fremde‛ definiert werden kann.

Ethnizitätskonzepte dienen somit der Beschreibung des Anderen, Verschiedenen und Fremden und machen dieses in Etnisierungsprozessen deutlich. Sie fungieren als Differenzierungskategorien (vgl. Huxel 2006: 36).

Dies wird später auch anhand der angeführten Interviewausschnitte deutlich, wenn George und Mustafa über Männlichkeit sprechen.


3. Migration

Norbert Wennig versteht Migration als „jede längerfristige, räumliche Verlagerung des Lebensmittelpunktes über eine größere Distanz, die ein Verlassen des sozialen Aktionsraumes zur Folge hat“ (Wennig 1996: 13).

Im Gegensatz zum Thema Männlichkeit fällt es George und Mustafa relativ leicht über ihre Migration zu sprechen. Da das Migrant-Sein im Gegensatz zum Mann-Sein an die Handlung der Migration gebunden ist und damit bewusst erlebt wurde, ist es für die Männer einfacher dies zu thematisieren (vgl.

Huxel 2006: 95). Die ständige Konfrontation mit der eigenen Identität als Nicht-Deutscher und die daraus resultierenden Probleme und Barrieren, denen sich George und Mustafa seit ihrer Ankunft in Deutschland immer wieder ausgesetzt sehen, machen die Migration zu einem zentralen und fassbaren Gegenstand.

Die Lebensgeschichten beider Männer werden somit zu ethnisierten und kulturalisierten Biographien. Dies geschieht wie bereits in Punkt 2. beschrieben, durch Selbst- und Fremdzuschreibungen, die sich wechselseitig bedingen. So reproduzieren George und Mustafa zum einen das ihnen zugeschriebene Anders-Sein, distanzieren sich aber durchaus auch situationsbedingt davon (vgl. ebd.: 100).

Welche Folgen nun aber die Migration für die Auffassung von Männlichkeit der Interviewten hat, ist Untersuchungsgegenstand des nun folgenden Abschnitts.


4. Zur Konstruktion von Männlichkeit

Aus den Interviews mit George und Mustafa wird deutlich, wie selbstverständlich das Mann-Sein für sie ist. Ihre habituelle Sicherheit wird aber, anders als man erwarten könnte, nicht durch ein ständiges reden über Männlichkeit, sondern im Gegenteil durch die Dethematisierung des eigenen Geschlechts erkennbar.

Meuser beschreibt diesen Umstand sehr treffend indem er sagt, dass die Männlichkeit als „fraglos gegeben“ (Meuser 2006: 197) empfunden wird. Den interviewten Männern ist sehr wohl bekannt, dass die durchgeführten Interviews darauf abzielen, etwas über ihr Empfinden der eigenen Männlichkeit herauszufinden. Dennoch geht zunächst keiner von ihnen explizit darauf ein.

Das Sprechen über etwas, das ihnen als selbstverständliche biologische Tatsache erscheint, wird als irrelevant eingeschätzt (vgl. Huxel 2008: 65) .

Erst als George von der Interviewerin direkt auf das Thema Männlichkeit angesprochen wird, startet er einen Versuch sie genauer zu definieren


I: Was bedeutet Mann sein für Sie?

G:Huch, oh ja, da bin ich überfordert. Eh, Mann sein, ja nicht biologisch hoffentlich? Biologisch also ist das, sagt es also Mann-Sein ist man mit den drei Beinen […]. (Huxel 2006: 61).

Diese Aussage verdeutlicht die These Meusers, dass Männer ihre Männlichkeit nicht hinterfragen, weil sie sie als „fraglos gegeben“ betrachten. George ist unmittelbar klar, dass die Frage nicht auf die biologische Behandlung von Männlichkeit abzielt.

Er gibt an, mit der Frage überfordert zu sein. Diese Antwort zeigt, wie verwundert er über die Fragestellung ist und dass das Mann-Sein für ihn bisher keiner Erklärung bedurfte. (vgl. Huxel 2006: 62 f.) Wie er im späteren Verlauf des Interviews dann doch noch eine Antwort auf die Frage findet und welche Brücke er schlägt um darüber zu sprechen, wird in Punkt 5. behandelt.

Neben der Dethematisierung von Männlichkeit gibt es aber noch weitere Konstruktionsmodi. Vor allem George ordnet bestimmte Lebensbereiche Mann und Frau zu. Gemäß vorherrschenden Klischees sieht er Beruf und Karriere als männliche Domäne.

Die Bereiche Familie und Ehe werden von George und Mustafa unterschiedlich bewertet. Unabhängig von der Gewichtung der einzelnen Felder, dienen sie aber alle der Konstruktion von Männlichkeit. (vgl. Huxel 2006: 89 f.) Der folgende Interviewauszug soll die Rollenzuweisung Georges verdeutlichen und ein konkretes Beispiel für sein konstruiertes Männerbild geben.

G:Mhm, wenn das Geld nicht ist, der Mann hat Problem, natürlich die Frau auch, aber der Mann noch noch eh, größer. Weil er diese Versorgerrolle. Muss eh, die Familie versorgen. (Huxel 2006: 63).


5. Das ethnisierte Geschlecht

Als ich in der Türkei gelebt habe, da war das für mich kein Thema. Türkin sein, Nationalität so, das war überhaupt kein Thema, ja. […] Das hat für mich kaum eine Rolle gespielt und dann bin ich hierher gekommen, dann bin ich zur Türkin geworden oder gemacht worden […]

(

Dieses Zitat stammt von einer türkischen Migrantin. Es soll verdeutlichen, dass Ethnisierung auf Zuschreibung basiert. Noch deutlicher werden diese Zuschreibungen in ihrer anschließenden Aussage. Hier berichtet die Frau von den Vorurteilen, denen sie in ihrem Alltag immer wieder begegnet.

Ja, eine Kopftuch tragende Türkin, die dem Mann untergeordnet ist und kein eigenes Leben hat. Die Türkei ist ein unterentwickeltes Land, die sind ganz anders.(ebd.)


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